S/W Negtiv Filme selber entwickeln

Ich habe mit der analogen Fotografie angefangen, da war bereits alles Digital und analog kannte ich nur

noch von meiner Kindheit. Ich hatte aber vor ca 3 Jahren eine analoge Spiegelreflexkamera meines Schwiegervaters gefunden und da war noch ein Film drin. Diesen habe ich gefüllt und dann entwickeln lassen. Als ich den Film im Fotogeschäft abgegeben hatte, sagte meine Tochter „ Papa wo sind jetzt die Fotos?“ Ich musste ihr erklären, dass die auf dem Film sind und erst entwickelt werden müssen und erst dann können wir die Fotos anschauen. Als ich dann die belichteten Fotos abholen ging traf mich fast der Schlag, kostete doch die Farbfilmentwicklung inkl 36 Abzüge in 10x15 knapp 60 CHF.

 

Danach vergass ich die analoge Fotografie wieder, bis ca im November 2016 als noch weitere Kameras zum Vorschein kamen. Dann hat mich die analoge Fotografie irgendwie gepackt. Ich habe dann schnell gemerkt, dass analog zu fotografieren immer noch gemacht wird und auch noch Filme verfügbar sind. War die analoge Fotografie für mich bis dahin doch eigentlich tot, so merkte ich, dass es noch einige Leute gibt die analog fotografieren und auch selber entwickeln. Vor allem die Schwarz/Weiss-Film Entwicklung schien relativ einfach zu sein. So beschloss ich im November 2016 mir das Starter-Set von Fotoimpex zu kaufen und meine Schwarz/Weiss-Filme selber zu entwickeln. Das ist einfacher als gedacht und ich mache es wie folgt.

 

Du benötigst:

  • Filmentwicklungsdose (Jobo oder Paterson). Ich besitze die Paterson-Dose mit zwei Filmspiralen
  • Thermometer (analog oder digital)
  • 25ml Messzylinder
  • 2-3 Messbecher mind 500ml, besser 1000ml
  • S/W-Filmentwickler-Chemie (ich benutze Rodinal bzw. Adonal)
  • Filmfixierer (Ich benutze den Ilford Rapid-Fix)
  • Netzmittel (Adoflo)
  • Einen belichteten Film um das einspulen in die Spulen zu üben
  • Flaschen für die Chemie (Entwickler wird ensorgt, Fixierer kann man mehrmals verwenden)
  • Schere
  • Flaschenöffner um die Filmpatrone zu öffnen
  • Einen
  • lichtdichten Raum (Bad ohne Fenster) oder einen Wechselsack
  • Etwas woran du die Filme zum Trocknen aufhängen kannst

 

Wenn du einen Film belichtet hast und diesen entwickeln möchtest, dann darf absolut kein Licht auf den Film kommen. Daher ist es nötig einen absolut lichtdichten Raum oder einen Wechselsack zu benutzen. Ich mache das ganze im fensterlosen Bad. Da

absolut kein Licht auf den Film fallen darf, bedeutet das, dass du den Film in absoluter Dunkelheit aus der Patrone herausholen musst und ihn danach auf die Filmspule aufspulen musst. Erst wenn der Film in der Entwicklerdose ist und

diese richtig verschlossen ist, kannst du das Licht anmachen. Daher ist es absolut notwenig das aufspulen in die Filmspule bei Tageslicht zu übern bis du es mit verschlossenen Augen machen kannst. Erst dann empfehle ich, es an deinem belichteten Film zu machen. Zudem solltest du dir im Bad alle benötigten Utensilien zuerst zurecht legen. Wenn du was in der Dunkelheit suchen musst, wird es sonst sehr mühsam und kann schon mal deinen Puls erhöhen. Sollte mal etwas nicht klappen, kannst du auch einfach den geöffneten Film in die Dose legen und die Dose richtig verschliessen, dann darf man das Licht anmachen und das fehlende Utensil suchen oder holen. Die Entwicklung läuft in wenigen Schritten ab.

 

Ablauf der Entwicklung:

In der absoluten Dunkelheit:

  1. Raum lichtdicht verschliessen
  2. Filmpatrone öffnen und Film in Filmspule einspulen
  3. Beladene Filmspule in Entwicklerdose geben und Dose verschließen

 

Bei Tageslicht:

  1. Film wässern
  2. Filmentwickler in Dose geben und Filmentwickeln
  3. Entwickler ausleeren in Flasche (nicht in die Kanalisation!) und mit Wasser stoppen
  4. Filmfixieren
  5. Fixierer in Flasche leeren und nochmals benutzen
  6. Filmwässern
  7. Netzmittel zugeben
  8. Film aufhängen und trocknen lassen

 

Der ganze Ablauf benötigt mit Vorbereitung, Einspulen, Entwickeln und aufräumen bei mir etwa 1h. Dabei kann ich 2 135er Filme oder einen 120er Film gleichzeitig entwickeln.

 

Wie bereits erwähnt nutze ich für den Start das Fotoimpex Starter Kit, dass es hier zu bestellen gibt.

Mein detaillierter Ablauf ist wie folgt (nur die Punkte die bei Tageslicht geschehen) und mit Rodinal 1.25 und Ilford HP5+ Film:

 

  1. Rodinal 1:25 ansetzen. Wenn ich einen Film entwickle benötige ich 290ml, die ich immer auf 300ml aufrunde. Das bedeutet bei 1:25 Verhältnis, 12ml Rodinal und 288ml Wasser. Bei 2 Filmen benötigt man 580ml bzw 600ml und dann 24ml Rodinal und 576ml Wasser.
  2. Fixierer ansetzen gemäss Vorgehensweise oben und gemäss Verdünnung des Herstellers.
  3. Den Film wässern mit 20°C kalten Wasser für 2 min
  4. Entwickler in die Dose einfüllen, Dose verschliessen und in 10 Sekunden 3 mal auf den Kopfkippen, danach die Dose fest auf Untergrund aufschlagen um Bläschen auf dem Film zu vermeiden. Das Kippen wiederhole ich jede Minute. HP5+ Filme entwickle ich 6 Minuten lang.
  5. .Entwickler in Flasche kippen, so dass die Dose nach genau 6 Minuten leer ist.
  6. Jetzt 1min Wässern mit 20°C kaltem Wasser.
  7. Fixierer in Dose füllen und Film 6min fixieren. Nach dem fixieren kann die Dose komplett geöffnet werden. Dem Film passiert jetzt nichts mehr.
  8. Wässern bei 20°C kaltem Wasser für 10min
  9. Adoflo 1:400 ansetzen und Film 1 min baden.
  10. Film herausholen und zum Trocknen in Staubfreiem Raum aufhängen (Im Bad am besten vorher ca 10min kaltes Wasser aus Duschbrause laufen lassen, dies bindet sehr viel Staub und wird potenziell nicht auf dem Film haften.

 

Du siehst es ist eigentlich kein Hexenwerk. Die Vorgehensweise muss natürlich bei push/pull von Filmen oder anderen Entwicklern und Fixierern angepasst werden, jedoch sind die Zeiten immer in den Datenblättern der Hersteller zu finden.

 

Tipps und Tricks:

  • Beim Film aus der Filmdose holen, kannst du einen normalen Flaschenöffner verwenden, man bringt die Dose damit sehr einfach auf.
  • Um den Ablauf der Entwicklung darzustellen und die Zeiten zu messen benutze ich die App „Develop! Film Development Timer“ von Todd Breslow, es gibt auch andere aber ich finde die gut.
  • Die Filme befestige ich an der Halterung der Duschglaswand mit Hilfe von kleinen Klemmen, zudem ist auch unten eine Klemme befestigt die den Film gerade zieht.