Was ist der Reiz an analoger Fotografie bzw. an analogen Bildern?

Heute wird jedes Handy mit einer Kamera ausgeliefert und einfache Digitalkameras sind schon für wenig Geld zu bekommen. Trotzdem hat mich die analoge Fotografie irgendwie fasziniert. Aber warum eigentlich?

 

Grundsätzliches:

Digital bin ich bereits seit 8 Jahren unterwegs und nun ca 1 Jahr mit analogen Kameras und immer mit demselben Film (Ilford Hp5+). In diesem Jahr habe ich festgestellt, dass ich wenn ich analog unterwegs bin, weniger Fotos mache als mit der Digitalkamera, dafür aber bewusster mich für ein Motiv entscheide. Viele der Bilder die ich mit der Digitalkamera mache sind gut, aber mir gefallen noch lange nicht alle und oft sitze ich nach einem Shooting noch am PC und bearbeite das Bild. Mir ist aufgefallen, dass ich mit einer analogen Kamera weniger Fotos mache, dafür aber mehr Fotos bekomme die mir wirklich gefallen und die ich gut finde. Zudem ist mit aufgefallen, dass der Dynamische Umfang (Unterschied zwischen dem hellsten und dunkelsten Bereich eines Fotos) viel grösser ist bei einem analogen Bild als bei einem digitalen. Zudem reizt es mich, nicht gleich kontrollieren zu können was das Ergebnis ist, sondern zu warten bis das Bild entwickelt ist und das Negativ von mir gescannt wurde. Erst dann weiß ich, ob es was wurde oder nicht. Und auffällig oft ist das Bild wirklich gut. Ich überlege mir vor dem drücken des Auslösers, ob die Einstellung korrekt für das Motiv und dessen Belichtung sein können. Ich lerne mehr die Umgebung zu analysieren und die Wirkung des Bildes vorauszusehen. So bewusst habe ich das mit der Digitalkamera nie gemacht, da ich auf der Kamera einfach schnell das Bild kontrollieren konnte.

 

Kameras:

Heute hat jede Digitalkamera unendlich viele Einstellmöglichkeiten und viele die eine Digitalkamera besitzen kennen den Zusammenhang der Blende, Zeit und ISO nicht und schiessen einfach im Auotmatik-Program drauflos. Wer sich nicht für Blende, Iso und Zeit interessiert, für den ist der Automatik-Modus sicher toll. Die alten analogen Kameras besitzen aber meistens eben genau diese Automatiken nicht. Man muss alles Manuell einstellen oder hat nur ein Blendenprogramm. Meistens ist kein Autofokus vorhanden und man muss manuell Scharfstellen. Das benötigt alles ein wenig Übung, bis man weiss wie die Prismen zur Scharfstellung arbeiten. Aber man lernt durch den Sucher zu schauen und betrachtet das Objekt ganz anders, da man weiss, wenn das Objekt nicht Scharf ist, ist das Bild futsch und man muss ein neues machen. Bei einer analogen 35mm Filmkamera sind es in der Regel 36 Versuche und der Film ist voll. Ich kann nicht nachschauen, ob das Bild gut ist und wenn nicht nochmal eines machen. Zudem sind analoge Filmkameras normalerweise relativ günstig verfügbar und es kann doch cool sein mit einer knapp 70 jährigen Kamera zu fotografieren die bereits dein Opa benutzt hat.

 

Der Film:

Den Film den ich einlege bestimmt die Empfindlichkeit und wie viele Fotos ich machen kann. Bei den meisten 135er Filmen sind das 24 bzw. 36 Bilder, danach ist der Film voll und ich muss den belichteten Film zurückspulen und einen neuen Einlegen. Die Empfindlichkeit des Filmes ist gegeben und ich kann nicht einfach die ISO ändern, klar kann ich einen Film pullen oder pushen, aber dann sollten alle Bilder so gemacht werden, da ansonsten die Entwicklung einige Bilder versauen kann. Ich muss also schon vorher wissen, ob die Sonne scheint, es regnet oder ob ich in einer dunklen Bar fotografiere. Entsprechend muss ich den Film vorher auswählen.

 

Der Prozess:

Wenn ich einen Film einlege, dann habe ich normalerweise 36 Bilder zur Verfügung, bis der Film voll ist. Danach muss der Film entwickelt werden. Das kann man bei Schwarz-Weiss Bildern sehr einfach selber machen. Oder ich gebe den Film zur Entwicklung in ein Labor. Bei Schwarz-Weiss entwickle ich meinen Film selber und kann auch bei der Entwicklung des Films das Aussehen der Bilder selber entscheiden. Ich muss vor der Entwicklung entscheiden welchen Filmentwickler ich wähle, wie lange ich den Film entwickeln will/muss, bei welcher Temperatur, wie oft ich die Entwicklungsdose bewege und so weiter. Als diese Parameter bestimmen schlussendlich wie mein fertiges Negativ aussehen wird. Wie viel Korn ich habe, wie die Zeichnung des Negatives und was ich daraus später machen kann. Ich muss die Chemie beschaffen, anrühren, die Zeiten und Temperaturen im Blick behalten und am Schluss ein hoffentlich gutes Negativ zu bekommen. Der Aufwand ein Bild zu bekommen ist viel höher und man erlebt das Bild irgendwie viel bewusster.

 

Das Bild:

Das Bild, vorallem Schwarz-Weiss Bilder muss für mich nicht perfekt sein. Ich mag es einfach wenn es Korn hat, einen hohen Kontrast aufweist und irgendwie, ich weiss aber auch nicht warum genau, faszinieren mich die analogen Bilder. Oftmals bin ich erstaunt wie gut die Qualität eines Bildes ist, obwohl man mit einer alten Technik arbeitet. Wenn ich meine analogen Bilder Freunden zeige, dann denken die oft, dass Bild sei digital gemacht worden. Klar habe ich das Negativ eingescannt, aber meistens nicht bearbeitet oder nur ganz wenig, gegenüber digitalen Bildern bearbeite ich analoge praktisch nicht und trotzdem sind die Bilder gut. Das fasziniert mich einfach.